Man schrieb das Jahr 1996. Der TV-Sender Pro7 strahlte wieder einmal seine Sendung "taff" aus. Doch in dieser Sendung, im späten Frühjahr, ging es unter anderem um Frettchen. Ich selbst habe die Sendung leider verpasst - aber auf meine Freundin hat selbige einen großen Eindruck gemacht: Ständig lag sie mir jetzt mit diesen "knuddeligen Pelztieren" in den Ohren, die "so niedlich" aussehen - besonders, wenn sie gerade gebadet werden...
Die etwas anstrengenderen Aspekte wurden offensichtlich in der Sendung nicht
angesprochen (oder es hat niemand hingehört), und so ließ ich mich schließlich
"breitschlagen". Nach mehreren Versuchen - wir hatten es schon fast aufgegeben
- erreichten wir schließlich Kerstin am Telefon. Die Hauptaktivistin der
Frettchenfreunde an der Weser war gerade frisch aus dem Urlaub zurück gekehrt,
und so kamen wir letztendlich im Juli 1996 zu unseren ersten beiden Fraggles:
Fuzzle und Fluffy, beide wahrscheinlich etwa drei
Jahre alt. Ihre ersten Tage bei uns waren ein wenig "beschissen": Da der
Schreiner, bei welchem wir unser erstes Gehege (für den Balkon) in Auftrag
gegeben haben, seinen Termin nicht einhielt, liefen unsere neuen Mitbewohner
zunächst frei in der Wohnung herum - und wir kamen mit der Zeitung zum
Unterlegen immer zu spät hinterher, der Teppich sah entsprechend aus :-)
Die ersten zwei Wochen schien es fast, als hätte Fuzzle nie etwas zu fressen
bekommen - und Angst, er würde es auch nie wieder (oder meinte er einfach, für
seinen Kollegen mitfressen zu müssen?): kaum stand der Fressnapf da, war er
auch schon leer. Wie sich heraus stellte, hatte der Vorbesitzer die beiden
fast ausschließlich mit in Milch eingeweichten Brötchen gefüttert, und das
nicht einmal besonders regelmäßig: häufiger waren die zwei für mehrere Tage
allein gelassen. Da ist es ihm schon hoch anzurechnen, dass er den Mut hatte,
die Konsequenz zu ziehen und die Tiere selbst bei den Frettchenfreunden
abzugeben.
Während wir dies noch mit Fassung trugen, traf uns der Tod von Fluffy nach
gerade mal einem Monat doch sehr hart. Er war offensichtlich mit auf die
falsche Haltung und Ernährung zurück zu führen: eine eitrige Bauchfellentzündung
sowie Leberzirrhose waren die Todesursachen, welche die Obduktion ergab.
Die Anzeichen, an denen dies rechtzeitig (also mindestens 8 Monate früher)
erkennbar gewesen wäre, wären ein verändertes Fressverhalten, Kotveränderung
und Druckschmerz in der Bauchgegend (sowie Ultraschall und Blutprobe) gewesen.
Um Fuzzle nicht all zu lange allein zu lassen, gesellten sich bereits im August
1996 Mufti und Romy zu ihm - die ersten (und
einzigen) Tiere, von denen wir auch das Alter kannten: während Mufti bereits
ca. 2 Jahre alt war, brachte Romy es gerade mal auf süße 12 Wochen. Beide kamen
aus einem "wohlbehüteten Zuhause", und hatten keinerlei gesundheitliche
Probleme mitgebracht. Da unser bisheriges Gehege jedoch für drei Tiere etwas
zu klein war, entschlossen wir uns, ein größeres in der Wohnung selbst zu
bauen. Auf drei Etagen können sich die Tiere in diesem tummeln, in zwei
Hängematten toben sowie sich zum Schlafen auf zwei Häuschen verteilen
(natürlich blieb ihnen auch der Balkon weiterhin). Vom ersten Tag an wurde das
neue Zuhause akzeptiert, als hätten die Tiere es höchst persönlich in Auftrag
gegeben: Wie selbstverständlich trabten die drei am Tage der Fertigstellung,
als sie vom Toben müde waren, in ihr neues Domizil, den Weg dorthin musste
ihnen niemand zeigen.
Während unseres Israel-Urlaubs im August 1997 erreichte uns die traurige
Nachricht von unserem Urlaubspfleger, dass Fuzzle seinem Herzfehler, der ihm
bereits seit einigen Monaten zu schaffen machte, erlegen war. Gerade dieser
Schmuseteddy war uns besonders an's Herz gewachsen! Aber das ist uns eigentlich
jedes Tier, daher schmerzt ein solcher Verlust jedes Mal erneut. Noch aus dem
Urlaub heraus (wo wir übrigens auch auf Frettchen vor Ort stießen) hörten wir
von zwei Tieren, die ihr Besitzer los werden wollte, weil sie "nicht den
Vorstellungen entsprachen" (er wollte jüngere und hübschere Tiere). Spontan
entschlossen wir uns daher, Critter zusammen mit seinem Kollegen
Wicked bei uns aufzunehmen.
Was sich als gar nicht so einfach heraus stellen sollte: die beiden wollten
sich mit unseren zwei Tieren partout nicht verstehen. Doch wir blieben "hart":
drei Wochen lang tauschten einen Tag die Schlafhaustücher, den anderen die
Tiere ihren Schlafplatz, um letztere so an die Gerüche zu gewöhnen. Ab und an
ließen wir auch die Fraggles kurz zusammen um zu schauen, wie unser Erfolg
sei. Letztendlich wurde unsere Mühe belohnt: hin und wieder meinte zwar Romy,
die Zicke herauskehren zu müssen - aber nach drei Wochen teilten sich die Tiere
friedlich das große Stubengehege. Hierbei kam uns auch zu Gute, dass dieses
über zwei Schlafhäuschen verfügt. Trotzdem wurde es freilich ein wenig eng,
als drei weitere Frettchen einige Tage bei uns in Urlaubspflege kamen (siehe
Bild) :-)
Eine traurige Erfahrung für mich (meine Freundin war mittlerweile ausgezogen, hatte mir jedoch die Tierchen "vererbt") war auch, dass man nie vorsichtig genug sein kann, was die Neugier der kleinen Racker angeht: so verunglückte die kleine Romy im Alter von nur knapp 2 Jahren, indem sie genau im gleichen Augenblick unter's Sofa huschte, als ich selbiges gerade wieder abstellte (ich hatte darunter gesaugt). Diesmal kam kein Tierchen dazu, die bekannte "Frettchen-Mathematik" ging also nicht mehr auf. Auch nicht, als Critter im letzten Sommer (2001) friedlich einschlief: zu Mittag gut gegessen, viel und ausgiebig gespielt, zum Mittagsschläfchen hingelegt und nicht wieder aufgewacht: ein schönes Lebensende für ein Frettchen! Geblieben sind mir nun noch meine beiden Opas: Mufti ist, wo ich dies schreibe (März 2002), bereits acht und Wicked etwa sieben Jahre alt.
Auch wenn ich eines Tages keine Frettchen mehr haben werde: nicht eines der Tiere werde ich je vergessen können, jedes einzelne hat nach wie vor einen Platz in meinem Herzen! Und mit jedem einzelnen verbindet mich auch mindestens eine unvergessliche Geschichte - oder eine von ihm an den Tag gelegte Eigenart: Fluffy mit seinem zutraulichen "Du bist gut zu mir" Blick, Fuzzle, der liebend gern meinen Finger ganz vorsichtig zwischen seine Zähne nahm, um sich an den Reißzähnen emporheben zu lassen; Romy, die mich am liebsten täglich am Finger packte, um mich unter den Küchenschrank zu verschleppen; Mufti, die Intelligenzbestie (eines Tages erwische ich Dich noch beim Lesen der Zeitung!); Wicked, vor dem kein Blumentopf sicher ist; Critter, der Schwimm-Meister (zog gern mal in der Wanne seine Bahn)...
Izzy