Frettchen Kurzinformation
Inhalt
Allgemeines
- Alter: 5-9 Jahre, Größe/Gewicht: etwa 25-40cm/500-900g (Fähe) bzw. 45-60cm/900-2.000g (Rüde)
- Futter: 2x täglich, insgesamt ca. 150..200g/Tier
- Freilauf bei Innenhaltung: min. 3h täglich; Fläche im Käfig/Gehege min. 2m2
- Kosten: ca. 100..200,- DM je Tier, dazu Kosten für Zubehör und täglich 2..3,- DM für Futter
, Tierarztkosten
- stubenrein: mit Glück ca. 80%
- Stinkdrüsen: Das Entfernen der Stinkdrüsen ist nach Tierschutzgesetz §6 streng verboten! Der Potenzgeruch des Rüden geht jedoch nach Kastration fast völlig zurück
- Frettchen vertragen das Reisen (z.B. im Auto) sehr gut, ebenso den damit verbundenen Ortswechsel
- Frettchen sind leinengängig bzw. lassen sich schnell daran gewöhnen. Es gibt spezielle Frettchenleinen; jedoch kann auch ein entsprechend gekürztes Katzengeschirr aus weichem Veloursleder verwendet werden. Beim Anlegen des Geschirrs ist jeweils darauf zu achten, daß ein fingerbreit Luft zwischen Geschirr und Frettchen verbleibt
- Frettchen nie frei (ohne Leine) im Freien laufen lassen!
- Ein "Katzenklo" sollte sich in ständiger Reichweite des Frettchens befinden, sowohl im Gehege als auch in der Wohnung. In letzterer empfiehlt es sich ggf., mehrere "Katzenklos" zu verteilen
- lautes Reden oder gar Schreien in der Nähe von Frettchen sollte absolut vermieden werden, da sie ein sehr empfindliches Gehör haben
- ebene Flächen sind "langweilig", Frettchen hingegen verspielt. Zu Ihrem Amüsement tragen Katzenkratzbäume bei, aber auch schon Kartons oder Rohre (z.B. Kerne von Teppichrollen) werden begeistert angenommen
- Frettchen sind von Natur aus nicht boshaft - "beißen" heißt bei ihnen meist "Ich will Spielen"
- Kein Spielzeug aus Gummi - kann gefressen werden!
- Frettchen haben keine "Körpersprache" wie z.B. Hund oder Katze
- andere Frettchen: Frettchen sind Gesellschaftstiere; ein einzeln gehaltenes Frettchen braucht wesentlich mehr Zuwendung seitens seines Herrchens/Frauchens. Nach Möglichkeit sollte man also zwei oder mehr Frettchen zusammen halten.
- andere Tiere: Haltung kann mit anderen "Raubtieren" (Hund, Katze) möglich sein (evtl. bedarf es einer "Gewöhnungsphase"). Nager (Hamster, Mäuse, Kaninchen) werden hingegen als "Beute" betrachtet - hier sollte man ein Zusammenkommen vermeiden, da es meist böse endet. Aquarien sind noch relativ harmlos - sollten aber abgedeckt werden (sonst ist das Frettchen früher oder später drin).
- Kinder: sollten in einem Alter sein, wo sie bereits verantwortlich zu handeln lernen (Empfehlung: etwa 10 Jahre und älter), jüngere Kinder besser nicht mit dem Frettchen allein lassen. Die Kinder sollten über das Frettchen und seine Verhaltensweise genau aufgeklärt werden - bei falscher "Handhabe" kann das Frettchen sonst schon einmal "zuschnappen".
- "Hausapotheke" (näheres siehe "Medizin und Gesundheit")
- Käfig, Schlafhaus (näheres siehe Unterkunft)
- Toilette (Katzenklo & Kotschaufel), evtl. Wanne für "Erfrischungsbad" im Sommer
- Freßnäpfe, möglichst schwer (sonst werden sie umgekippt), evtl. Nippeltränke
- Roßhaarbürste zum Bürsten bei Fellwechsel
- Kletter- und Spielmaterial (Katzenkratzbaum, Kisten, Rohre (z.B. Kerne von Teppichrollen), Hängematte...)
- Transportbox ("Kennel"), wie auch das Schlafhaus (siehe dort) mit Baumwolltüchern ausgelegt
- Frettchenleinen
- Futtervorrat
- Haltung im Freien ist der Haltung in der Wohnung vorzuziehen
- Käfig:
- bei Innenhaltung: min 2m2 Grundfläche, Höhe (pro Etage) min. 50..60 cm
, tägl. min. 3h Freilauf; bei Außenhaltung/Freigehege: min 6m2
- Material: punktgeschweißter Gehegedraht (kein zu weiches Material; Kaninchen- oder Hühnerdraht sind ungeeignet) mit einer Stärke von 1..3mm und einer Maschenweite von ca. 15x15 mm oder 10x20mm
- bewährt hat sich ein Vierkant-Lattengerüst als Grundlage. Holzstärke ca. 20x45mm, verschraubt mit Eisenwinkeln. Die Drahtelemente werden mittels Tacker oder kleinen Nägeln am Gerüst befestigt (Achtung! Keine Reißkanten/Spitzen im Inneren, Verletzungsgefahr für die Frettchen). Der Boden sollte wasserdicht sein; geeignet sind z.B. PVC-Belag oder Fliesen.
- Schlafkiste/Schlafhaus:
- Dieser "Höhlen-Ersatz" sollte ca. 40x30x30cm groß und mit einem Einschlupfloch von ca. 7..10cm versehen sein - auch eine Tür sollte nicht fehlen, zur Reinigung etc.pp
- Im Freien: windgeschützt und imprägniert. Am besten mit Windfang (Durchgang ca. 10 cm breit) versehen. Isoliert mit z.B. Styropor
/ Kork
- Polstermaterial: am besten Baumwolltücher, etwas zerkleinern (kein Stroh/Heu, kein Frottee!)
- Keine Kleintierstreu verwenden!
- Toilette (Katzenklo o.ä.) am besten direkt neben Schlafhaus/Freßstelle positionieren, auch genügend "Klos" in der Wohnung (bei Freilauf dort) aufstellen
- Gehege können leicht und billig selbst gebaut werden: z.B. Umbau eines alten Schrankes
Ernährung
- 80% Muskelfleisch, 20% pflanzliches
- 2-3x wöchentlich Fleisch in "größeren" Stücken (ca. 2x2 cm) zum "Zähneputzen" (auch um dem "Raubtier" etwas zu "reißen" zu geben); sonst alles schön zerkleinern, da es andernfalls verschleppt wird
- Naßfutter nur im Gehege, in der Wohnung Trockenfutter (wegen der "Verschleppungsgefahr")
- hoher Energiebedarf beim Frettchen erfordert hohen Protein- und Fettanteil in der Nahrung
- viel Vitamin B (enthalten in Leber, Herz, Niere, Kartoffeln, Kleie, Eiern, Hefe, Vollkornbrot, Spinat)
- Milch ist für Frettchen kein Getränk, sondern Nahrung. Milchprodukte rufen Durchfall hervor
- Futterbedarf eines ausgewachsenen Frettchens: ca. 150..200g Futter pro Tag
- Dosenfutter/Trockenfutter für Katzen kann sehr gut verwendet werden
- Dosenfutter mit Gemüse- oder Vollkornflocken anreichern
- Bei Dosenfutter achten auf: hohen Proteingehalt, min. 5% Fettanteil, möglichst wenig Zucker- und Karamelstoffe. Sorten häufig wechseln.
- Bei Fisch- und Leberfertigfutter auf hohen Vitamin E Zusatz achten
- Bei Muskelfleisch, Herz & Nieren ist Zusatz von Kalzium (z.B. VitaKalkTM) besonders wichtig
- Vitamin-Ausgleich/Zufuhr: Obst & Gemüse, sowohl unter's Fertigfutter gemischt als auch separat "verabreicht"
- Frischfleisch zuvor in Knoblauchwasser abkochen (Keimtötung)
- tote Eintagsküken
- frischer, grätenfreier Fisch (Kabeljau, Rotbarsch, Schollenfilet). (Vorsicht bei Süßwasserfisch!). Evtl. in Bratfett anbraten & mit Gemüseflocken vermischen
- Leckerei: etwas mit Eigelb vermischter Sahnequark oder Joghurt, auch Eigelb pur
- Igelfutter, Baby-Fertignahrung
- Multi-Vitamin-Paste (z.B. NutriCalTM), besonders wichtig bei Fellwechsel und in der Tragzeit
- KEIN SALZ! wenig Zucker, NIE ROHES SCHWEINEFLEISCH!
(Infektionsgefahr: Aujetzki Virus)
Pflege
- Tuchwechsel im Schlafhaus min. 1x wöchentlich
- (Katzen)Klos täglich reinigen, etwa 1x wöchentlich "Füllung" komplett erneuern
- zur Reinigung (Gehege etc) warmes Wasser verwenden, evtl etwas Seife/Spülmittel zusetzen. Keinesfalls scharfe Chemikalien verwenden! Zur Desinfektion gibt es spezielle Mittel für Tiere (z.B. Lysol oder von der Firma Beaphar: Käfigdeo); jedoch sollten auch diese nicht zu häufig verwendet werden (sonst kann es zur Zerstörung der Darmflora der Tiere kommen)
- Bei Fellwechsel (Frühjahr/Herbst) totes Harr mit weicher (Roßhaar-) Bürste ausbürsten
- Ohrmuscheln mit Wattestäbchen (vorsichtig!) reinigen
(evtl. vom Tierarzt reinigen lassen). Nicht in den Gehörgang eindringen!
- Baden der Frettchen mit lauwarmem Wasser. Nur bei starker Verschmutzung oder Parasiten-Befall Baby-Shampoo bzw. spezielles Tier-Shampoo verwenden! "Plantschen" in klarem Wasser können die Frettchen jedoch ruhig öfter. Nach dem Baden Frettchen gut abtrocknen (Handtuch/Fön), in der kälteren Jahreszeit anschließend auch besser noch für 1-2h in der Wohnung lassen (Erkältungsgefahr).
- Nägel etwa 1-2x monatlich mit Fußnagelknipser oder spezieller Nagelzange schneiden (Vorsicht! Nicht die Blutgefäße verletzen oder Nägel splittern!)
Medizin und Gesundheit
Allgemeines
- jährliche Schutzimpfung
- nicht zur Zucht bestimmte Fähen unbedingt kastrieren lassen (sonst Gefahr der Dauer-Ranz (Lebensgefahr!) bzw. Infektion). Möglich ist dieser operative Eingriff etwa ab dem 10. Lebensmonat
- beim Rüden analog - wenn auch keine Gefahr der Dauerranz oder Infektion besteht, so läßt doch nach der Kastration der Potenzgeruch fast völlig nach
- Tiere, die 5 Jahre und älter sind, desöfteren Abtasten und beim Tierarzt "vorstellen"
Krankheitssymptome
- Temperatur (normal: 38-39°C)
- Gewichtsschwankungen (Ausnahme: "Winterspeck")
- Freßunlust (verschmäht selbst Leckerbissen & Leibgericht)
- nachlassende Aktivität, Apathie
- struppiges Fell, kahle Stellen, schuppige/entzündete Haut, Bißstellen
- entzündete/veklebte/verletzte Augen
- eitriger Ausfluß (Augen/Ohren/Geschlechtsorgane, letzteres insbes. bei Fähen)
- verkrusteter Schmutz in den Ohren, ständiges Kratzen an den Ohren
- Parasiten im Fell
- Durchfall, Blut in Kot/Urin, Erbrechen, kein/wenig Kot
- Humpeln, Verkrampfen, sonstige ungewöhnliche Körperhaltungen (Schmerz-Indikatoren)
Wie sieht ein gesundes Frettchen aus?
- keine Krankheits-Symptome (s.o.)
- Barthaare gleichmäßig lang, nicht gebrochen
- klare, glänzende Augen; glänzendes, weiches Fell
- Aftergegend frei von Kot & anderen Ausscheidungen
- Ohrmuscheln und Krallen frei von Dreck & Ungeziefer
- aufmerksam, prompte Reaktion
- kein Fauchen bei Annäherung
- feste Muskulatur, keine Probleme z.B. beim Treppensteigen (Alter beachten)
- gleichmäßiger Gang
Hausapotheke
- Fieberthermometer
- Nagelknipser bzw. spezielle Krallen-Schneide-Zange, Ohrstäbchen
- Antiseptikum
- Zeckenzange, Waage
Quellenangaben
Zur Erstellung dieses Informationsblattes wurden folgende Bücher verwendet:
- "Unsere Frettchen - liebenswerte Hausgenossen", Frettchen-Club Berlin e.V.
- "Frettchen als Haustiere", Karim Choukair
Weitere Literaturempfehlungen:
- Natalie und Eva Abedi: Frettchen. bede Varlag, ISBN 3-933646-04-9
- Ulf Dieter Wenzel: Frettchen in der Kleintierpraxis. Fischer Verlag, ISBN 3-334-60998-7
- eine Liste mit weiteren Büchern findet sich unter http://www.super-wichtig.de/tier/buch_fret.htm
Dem Disclaimer des erstgenannten Buches möchten wir uns anschließen: "Die
Ratschläge [...] sind von den Verfassern" sowie den jeweiligen Frettchen-Clubs
und Interessengemeinschaften "erwogen und geprüft worden. eine Garantie kann
jedoch nicht übernommen werden. Die Haftung der Verfasser bzw. des
Herausgebers für Personen-, Sach- oder Vermögensschaden ist ausgeschlossen."
Nachsatz: Seitdem wir diese Kurzinformationen vor ca. fünf Jahren zum ersten
Mal im Web veröffentlicht haben, konnten wir einiges an neuen Erfahrungen
sammeln. Viele unserer Erfahrungswerte gingen daher in diese Neufassung ein,
welche nun ab März 2002 vorliegt. Einige Daten scheinen somit gegenüber den
o.g. Quellen teilweise stark abzuweichen: Der Text spiegelt in erster Linie
unsere Erfahrungen wider, und orientiert sich erst in zweiter Instanz an
genannten Werken. Nochmals sei darauf hingewiesen, dass wir keine Garantie für
die hier aufgeführten Daten übernehmen (siehe obigen Disclaimer).